Was Ist Liebe Wirklich? (Von Saajid Zandolini)

Thursday, 2 August 2012

Love: Hands create a heart in the sunsetIn Liebe sein?

Selbst, wenn wir viel zu viel von allem haben, was wir uns auf dieser Welt wünschen und aneignen können, so leben wir wahrscheinlich doch unser ganzes Leben lang in einem Mangelbewusstsein.
Wie ist dies nur möglich?
Es ist wichtig und notwendig uns den Umfang dieser Tatsache klar zu machen, selbst wenn uns diese Erkenntnis zunächst in Bestürzung wirft. Von Kindesbeinen an bis zum Ende unserer körperlichen Existenz ist mit ganz wenigen Ausnahmen unser Grundgefühl jenes, dass uns irgendetwas fehlt, dass wir nicht heil sind. Dies ist die vorherrschende Stimmung im Hintergrund unseres Daseins.

Es scheint, als sei die ganze Menschheit von einem Trennungsvirus befallen, welcher uns eine Existenz des In-sich-selbst-gespalten-seins und eine Ich-und-die Anderen-Optik als unsere Daseinsrealität vorgaukelt. Dieser Umstand erzeugt eine immense Fülle an Kompensations- und Suchtverhalten. Die Kompensation der Trennung vom eigenen Ursprung äussert sich in unseren Beziehungen als Sehnsucht mit jemandem in Liebe zu fallen und tiefer in unserer Psyche als Sehnsucht mit uns selbst in Liebe zu sein.

Doch der Glaube in Liebe sein zu können, zu wollen und zu sollen, führt zu einem Sog in Richtung Leiden und unweigerlich zu Enttäuschungen. Liebe ist nicht etwas das getan werden kann. Sie kann nicht gegeben und auch nicht empfangen werden.
Das Ich kann weder lieben noch nichtlieben, es ist einfach bedürftig und kleidet seine Bedürfnisse in schöne Namen.

Liebe ist das, was wir im Herzen des Lebens sind – diese unfassbare Weite, Stille und Glückseligkeit. Wir können also nicht "in" Liebe sein, denn dann gäbe es ja zwei, nämlich Liebe und jemand, der in Liebe ist. Doch Liebe erlaubt keine Trennung, denn Liebe ist eins. Es gibt also keinen Weg in die Liebe hinein. Liebe kennt kein Wie, Warum und Wieso. Meinungen und begriffliches Denken erreichen sie nicht. Jede Vorstellung von Liebe die wir zu verwirklichen trachten, egal wie edel diese auch sei, wird uns unweigerlich in einen Leidensprozess führen.

Alles Wesentliche im menschlichen Leben, nachdem wir uns sehnen, ist stets das, was wir in der Tiefe unseres Wesens sind. Freiheit, Vollkommenheit, Frieden, Liebe, Glückseligkeit, usw. können wir nicht erreichen, denn stets steht uns die Idee des Getrenntseins im Wege. Es gibt auch keine Liebesgeschichte, welche wirklich glücklich enden könnte, denn es gibt nichts und niemand der sie erfassen oder umfassen könnte und sie kann nirgendwohin gerichtet werden, ohne dass wir uns die Finger an ihr verbrennen.

Da Liebe letzten Endes immer sich selbst sucht ist sie das Ende aller Geschichten, denn Liebe ist die Essenz unserer Existenz und führt uns über alle Wege hinweg zu uns selbst zurück. Wir können mit der Liebe nicht verhandeln, diskutieren oder argumentieren. Sie fordert von uns zutiefst vom Leben berührt zu sein. Unsere Ideale und Bedürftigkeit interessieren sie nicht. Liebe ist ein Feuer, das ausnahmslos alles verbrennt, das sich nicht uneingeschränkt und ungetrennt als Ganzes erlebt und sich ihr vollumfänglich ergibt. Sie wirft uns in ihr Feuer und erst, wenn wir aus unserer eigenen Asche auferstehen werden wir ihrer wirklich würdig sein. Denn nur dann können wir "Liebe-sein" und nicht nur von ihr kosten.

Liebe lässt uns keine Ruhe bis wir alle Trennung mit allem was existiert überwunden haben. Es gibt Menschen welche glauben, dass das Ego verbrennen müsse. Doch das Ego kann nicht brennen, denn es ist nur eingebildet. Es ist unser Wesen, das im Entzug unserer Süchte und Abhängigkeiten, sowie in der Loslösung von unseren Ideen, Vorstellungen und Glaubenssätzen brennt.

Um wirkliche Liebe zu erfahren sollten wir lernen unsere Ichbezogenheit und dessen Systeme zu durchbrechen. Ein liebevolles und ekstatisches Zusammenleben zwischen Mann und Frau wird nur über "Liebe-sein" und nicht über "Ich-liebe-dich" geschehen können.

In Liebe
Saajid
 


Saajid Zandolini - Satsang Lehrer und K√ľnstlerSaajid Zandolini ist spiritueller Lehrer und Künstler aus Basel in der Schweiz. Er lehrt Meditation als Lebensweise, unabhängig von spirituellen Traditionen und Dogmen, ohne Trennung in ein spirituelles Leben und ein materielles Leben. Er ist den Meistern Ramana Maharshi, Osho und dem Zen verbunden.

Seine Vision ist eine zu ihrer Wesensnatur erwachte Menschheit, welche sich ungetrennt, als Ganzes – als das Leben selbst – entfaltet.

Saajid bietet Satsangs ('Zusammensein in Wahrheit') und 'Sitzen in Stille' sowie Meditations-Sonntage in Zürich, Bern und Basel an.

Mehr über Saajid Zandolini: Herzundstille.ch

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